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Frauenverein Matten bei Interlaken
100 Jahre Engagement und Herz 
1925–2025

Seit 1925 gehört der Frauenverein Matten zum gesellschaftlichen und sozialen Leben unseres Dorfes. Was mit Handarbeiten für bedürftige Kinder und Frauen begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem vielseitigen gemeinnützigen Engagement für Matten, das Bödeli und die Region Interlaken im Berner Oberland.

Historische Fotografien, Jahresberichte und besondere Dokumente aus unserem Vereinsarchiv erzählen heute von dieser langen Geschichte.

Die Gründung des Frauenvereins Matten im Jahr 1925

Im Herbst 1925 wurde der Frauenverein Matten gegründet. Der erste Tätigkeitsbericht beschreibt den ursprünglichen Zweck des Vereins:

Bereits Ende des ersten Vereinsjahres zählte der Frauenverein 32 Aktivmitglieder und 53 Passivmitglieder.

Die Aktivmitglieder trafen sich zunächst alle 14 Tage zu einem gemeinsamen Werkabend. Schon bald entstand der Wunsch, sich wöchentlich zu treffen.

Und die Frauen waren fleissig: Im ersten Jahr wurden unter anderem elf Hemden, zehn Paar Socken und Strümpfe, vier Knabenhemden, drei Mädchenhemden, fünf Hosen, eine Schürze und zwei Hüte angefertigt und an bedürftige Menschen abgegeben. Auch die Schule wurde unterstützt und erhielt 17 Gaben für die Weihnachtsbescherung.

Hilfe für Familien und Menschen in Not

Soziale Hilfe, lange bevor es ein heutiges soziales Netz gab...

 

Schon bald ging die Arbeit des Frauenvereins weit über Handarbeiten hinaus.

Es wurden Kurse und Vorträge für Frauen organisiert. Erkrankte eine Mutter, arrangierte der Frauenverein Hilfe für den Haushalt und die Betreuung der Kinder. Im Auftrag der Gemeinde führten die Frauen zudem Sammlungen für Menschen in Not durch.

Der Frauenverein Matten übernahm damit Aufgaben, für die es damals noch kaum öffentliche oder professionelle Hilfsangebote gab.

Eine interessante Episode findet sich bereits im ersten Jahresbericht: Pro Juventute fragte an, ob in Matten Ferienplätze für Auslandschweizerkinder organisiert werden könnten. Die anfängliche Skepsis war gross. Dennoch erklärten sich schliesslich fünf Familien bereit, ein Ferienkind bei sich aufzunehmen.

Der Chüechlitag: Backen für einen guten Zweck

Ab 1927 führte der Frauenverein Matten regelmässig den Chüechlitag durch, um zusätzliche Mittel für seine gemeinnützige Arbeit zu sammeln. Bereits der erste Chüechlitag wurde zu einem grossen Erfolg: Zusammen mit freiwilligen Spenden von Mattner Geschäftsleuten kamen 800 Franken zusammen, für die damalige Zeit eine beachtliche Summe.

Mit den Einnahmen konnte der Frauenverein unter anderem Material für seine Handarbeiten anschaffen und damit seine Unterstützung für bedürftige Menschen weiterführen. Auch die Gemeinde Matten unterstützte das Engagement der Frauen. Sie stellte dem Verein im alten Schulhaus kostenlos einen Raum zur Verfügung und übernahm sogar die Kosten für Licht und Heizung.

Der Chüechlitag entwickelte sich damit nicht nur zu einer schönen Tradition, sondern war ein wichtiger Bestandteil der gemeinnützigen Arbeit des Frauenvereins Matten.

Gemeinsames Backen für den Frauenverein. Die Backwaren wurden verkauft, um die gemeinnützige Arbeit des Vereins zu finanzieren.

Die Vereinsarbeit musste natürlich auch finanziert werden. Aktivmitglieder bezahlten damals drei Franken Aufnahmegebühr und fünf Franken Jahresbeitrag. Der Jahresbeitrag der Passivmitglieder betrug drei Franken.

Um zusätzliche Einnahmen zu erzielen, halfen die Frauen bei verschiedenen Anlässen mit und organisierten Verkaufsstände.

Ab 1927 fand der Chüechlitag regelmässig statt und entwickelte sich zu einer wichtigen Tradition des Frauenvereins Matten.

Bereits der erste Chüechlitag brachte, auch dank freiwilliger Spenden von Mattner Geschäftsleuten, die für damalige Verhältnisse erstaunliche Summe von 800 Franken ein.

Historische Fotografien zeigen die Frauen bei der gemeinsamen Arbeit in der Küche. Es wurde gebacken, vorbereitet und anschliessend verkauft. Auf einer Aufnahme sind ganze Berge von Brätzeli und anderen Backwaren zu sehen. Eine Tasse Kaffee kostete damals 50 Rappen, ebenso wurden Brätzeli für 50 Rappen angeboten.

Die Einnahmen ermöglichten dem Verein unter anderem den Kauf von Arbeitsmaterial. Die Gemeinde Matten unterstützte die Arbeit zusätzlich und stellte im alten Schulhaus kostenlos einen Raum zur Verfügung. Auch die Kosten für Licht und Heizung wurden von der Gemeinde übernommen.

Ein besonders schönes Zeitdokument ist das Gruppenfoto vom Chüechlitag am 19. Mai 1935. Viele der Frauen tragen darauf traditionelle Berner Trachten.

Vereinsleben und gemeinsame Ausflüge

Bei aller Arbeit durfte auch die Gemeinschaft nicht zu kurz kommen.

Historische Aufnahmen aus dem Jahr 1929 zeigen Mitglieder des Frauenvereins auf einem gemeinsamen Ausflug. Auf einem der Fotos versammeln sich die Frauen bei einem Fahrzeug vor dem damaligen Hotel Löwen mit «Autogarage», Öl und Benzin.

Ein weiteres Bild aus demselben Jahr zeigt vier austretende Vorstandsmitglieder. Die handschriftliche Beschriftung des alten Vereinsalbums hält nicht nur den Anlass, sondern auch die Namen und Funktionen der Frauen fest.

Solche Bilder sind heute wertvolle Zeugnisse des Vereinslebens und gleichzeitig ein kleines Stück Alltagsgeschichte aus Matten und dem Berner Oberland.

Der Frauenverein Matten während des Zweiten Weltkriegs

Während des Zweiten Weltkriegs und des Schweizer Aktivdienstes erhielt das soziale Engagement des Frauenvereins eine weitere Bedeutung.

Der Frauenverein unterstützte Schweizer Soldaten, die während der Weihnachtszeit fern von ihren Familien Dienst leisten mussten.

Wie sehr diese Unterstützung geschätzt wurde, zeigen zwei aussergewöhnliche Briefe aus dem Dezember 1940, die bis heute erhalten geblieben sind.

Persönlicher Dank von General Henri Guisan

Am 25. Dezember 1940 schrieb der Oberbefehlshaber der Schweizer Armee, General Henri Guisan, persönlich an den Frauenverein Matten.

Der Verein hatte anlässlich der Weihnachtsfeier der Armee General Guisan und seiner Frau ein Lebkuchenherz überreichen lassen.

General Guisan bedankte sich für die Aufmerksamkeit und ausdrücklich auch für das Engagement des Vereins:

«Für diese freundliche Aufmerksamkeit, sowie für Ihr Wirken im Dienste unserer Schweizersoldaten, danke ich Ihnen von Herzen.»

Der historische Brief aus dem Armeehauptquartier trägt die persönliche Unterschrift von General Guisan und ist ein besonderes Dokument in der Geschichte des Frauenvereins Matten.

Ein zweiter Dank aus dem Feld

Nur einen Tag später, am 26. Dezember 1940, erreichte den Frauenverein ein weiteres Dankesschreiben der Schweizer Armee.

Die Verpflegungs-Lastwagen-Kolonne 3 hatte am 23. Dezember ihre zweite Weihnachtsfeier im Feld durchgeführt.

Der Kommandant schrieb, dass es dank der liebevollen Unterstützung durch die Zivilbevölkerung möglich gewesen sei, den Soldaten fern von ihren Angehörigen die schweren Gedanken während der Weihnachtszeit etwas zu erleichtern.

Für die Überraschung des Frauenvereins Matten bedankte sich die Einheit ausdrücklich und herzlich.

Die beiden erhaltenen Briefe erinnern daran, dass die Hilfe der Mattner Frauen in schwierigen Zeiten weit über die Dorfgrenzen hinausreichte.

Von damals bis heute

Hundert Jahre später hat sich vieles verändert. Der Grundgedanke des Frauenvereins Matten ist jedoch geblieben: Gemeinschaft pflegen und dort helfen, wo Unterstützung gebraucht wird.

Während der Wintermonate treffen sich die Aktivmitglieder jeden Mittwochnachmittag im Kirchgemeindehaus in Matten. Gemeinsam wird gestrickt, gehäkelt und gearbeitet. Es entstehen unter anderem Socken, Kinderschürzen, Schürzen, Pulswärmer, Stulpen, Kappen, Bebefinkli, Schals und Lätzli.

Die liebevoll gefertigten Handarbeiten werden am Dorfmärit sowie am Oster- und Weihnachtsmarkt verkauft.

Für den Ostermarkt färben die Frauen nach alter Tradition rund 400 Ostereier. Am Mattenabend sorgt der Frauenverein mit Kaffee und Kuchen für das leibliche Wohl.

Im Sommer ruhen die Stricknadeln. Dann ist Reisezeit. Am ersten Mittwoch jedes Monats unternehmen die Mitglieder gemeinsam einen Ausflug und führen damit eine Tradition weiter, die bereits auf den Fotografien aus dem Jahr 1929 zu sehen ist.

Vom ersten Lebenstag bis ins hohe Alter

Auch heute begleitet der Frauenverein Menschen in Matten in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen.

Neugeborene Mattner Bürgerinnen und Bürger werden mit einem vom Frauenverein handgemachten Geschenk willkommen geheissen. Hanni Zwahlen bringt den Familien persönlich beispielsweise eine Mütze, Finkli oder Söckli vorbei.

Mattnerinnen und Mattner über 85 Jahre erhalten zu Weihnachten einen persönlichen Brief mit einer kleinen Aufmerksamkeit.

Auch Menschen, die im Laufe des Jahres ihre Partnerin oder ihren Partner verloren haben, werden nicht vergessen und erhalten zum Jahresende ein kleines Geschenk.

Darüber hinaus unterstützt der Frauenverein gemeinnützige Organisationen auf dem Bödeli und in der Region Interlaken.

Eine Geschichte, die weitergehen soll

Die Aufgaben des Frauenvereins haben sich in 100 Jahren immer wieder verändert. Geblieben sind das freiwillige Engagement, die Gemeinschaft und die Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen.

Heute zählt der Frauenverein Matten nur noch wenige aktive Mitglieder. Viele davon sind bereits im fortgeschrittenen Alter.

Damit diese 100-jährige Tradition in Matten bei Interlaken und im Berner Oberland weiterleben kann, freuen wir uns über neue Mitglieder jeden Alters.

Man muss weder besonders gut stricken noch häkeln können. Wichtig sind vielmehr Freude an Gemeinschaft, neue Ideen und die Bereitschaft, ab und zu mitzuhelfen.

Denn der Frauenverein Matten soll auch in Zukunft das bleiben, was er seit 1925 ist:

ein Stück gelebte Dorfgemeinschaft, getragen von Engagement und Herz.

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